Risse im Neubau, warum der Maler fast nie Schuld daran ist
Haben Sie in Ihrem frisch bezogenen Neubau feine Risse an den Deckenübergängen oder Wänden entdeckt? Keine Sorge, das ist der Klassiker im modernen Hausbau. Oft wird in Baublogs fälschlicherweise das Wort „Malerriss“ verwendet. Doch Riss ist nicht gleich Riss und in den allerseltensten Fällen hat das Malerhandwerk Schuld daran.
Hier erfahren Sie, warum diese Risse entstehen, warum selbst das teurere Malervlies sie nicht immer verhindern kann und wer der eigentliche Ansprechpartner ist.

1. Die Ursache: Fugenrisse zwischen Bauteilen
In modernen Häusern treffen unterschiedliche Materialien aufeinander , zum Beispiel massiver Beton auf flexiblen Rigips im Trockenbau. Diese Bauteile „arbeiten“ und bewegen sich untereinander.
Das Problem, durch das natürliche Setzen des Hauses und extreme Temperaturschwankungen (vor allem durch das erste Aufheizen im Winter) entstehen enorme Spannungen.
Die Folge, es kommt zu sogenannten Fugenrissen an den Übergängen. Auf diese Bauteilbewegungen hat der Maler absolut keinen Einfluss.
2. Der Irrglaube: „Mit Malervlies passiert das nicht“
Viele Bauherren entscheiden sich extra für das teurere, rissüberbrückende Malervlies in der Hoffnung, für immer rissefrei zu bleiben. Das ist jedoch ein technischer Irrtum:
Was Malervlies kann: Es überbrückt feine, oberflächliche Haarrisse oder Setzrisse im Putz.


Was Malervlies NICHT kann: Es kann keine tiefen Fugenrisse zwischen zwei arbeitenden Bauteilen halten. Ein fachgerecht tapeziertes Vlies wird niemals über solche Fugen hinweg tapeziert, die Fuge würde das Vlies einfach zerreißen.
3. Direkt auf Putz streichen im Neubau, warum das oft schiefgeht
Um Kosten zu sparen, entscheiden sich manche Bauherren dafür, die verputzten Wände oder Gipskartonplatten direkt ohne Tapete streichen zu lassen.
Das hat im Neubau jedoch zwei entscheidende optische Nachteile:
Die Streiflicht-Falle, Gipskartonplatten werden zwar verspachtelt und geschliffen, haben aber eine andere Oberflächenstruktur als der Karton selbst. Je nach Lichteinfall und tiefstehender Sonne (Streiflicht) zeichnen sich die Stoßfugen der Platten später oft unschön als Schatten auf der Wand ab.
Kein Schutz vor Haarrissen, wenn der Putz oder der Bau beim Trocknen arbeitet, entstehen unweigerlich feine Haarrisse. Ohne die elastische Schutzschicht eines Malervlieses reißt die Farbschicht sofort mit.
Jeder einzelne Haarriss wird dadurch sofort sichtbar und stört das Gesamtbild im Wohnraum.
Unsere Empfehlung: Ein direktes Streichen auf Putz im Neubau erfordert eine extrem zeitintensive und teure Spachtelung (Q4-Standard). Selbst dann bleibt das Risiko von Haarrissen. Ein rissüberbrückendes Malervlies ist hier fast immer die sicherere, langlebigere und optisch perfektere Wahl für glatte Wände.
4. Warum Acryl keine Wunderwaffe mehr ist
Als Maler verpressen wir diese Übergangsfugen in den meisten Fällen mit Acryl. Doch hier gibt es eine wichtige technische Änderung:
* Moderne Produkte: Durch gesetzliche Vorgaben hat sich die chemische Zusammensetzung von Acryl in den letzten Jahren stark verändert.
* Geringere Dehnbarkeit, das heutige Acryl ist schlichtweg nicht mehr in der Lage, die massiven Spannungen und Bauteilbewegungen eines arbeitenden Neubaus komplett abzufangen.
* Wartungsfuge: Genau wie Silikon im Bad ist auch die Acrylfuge eine reine Wartungsfuge. Sie muss im Laufe der Jahre regelmäßig überprüft und erneuert werden.
4. Wer ist der richtige Ansprechpartner?
Um solche Risse von vornherein zu minimieren, ist das Gewerk Trockenbau gefragt. Hier sollte idealerweise:
* Ein spezielles Geweberand eingelegt und fachgerecht an gespachtelt werden.
* Eine bewusste Sollbruchstelle eingeplant werden (der Riss entsteht dann kontrolliert und gerade).
* Oder eine optisch saubere Schattenfuge erstellt werden.


Im Nachhinein kann der Maler leider nicht mehr prüfen, ob der Trockenbauer diese Schritte sauber ausgeführt hat oder ob feuchtes Material verbaut wurde. Der Spruch „Acryl wird das schon richten“ funktioniert heute nicht mehr.
Unser Fazit für Bauherren
Eine absolut rissefreie Oberfläche ist im modernen Bauwesen technisch kaum herstellbar (bestätigt auch durch offizielle Richtlinien des Bundesverbandes der Gipsindustrie). Weil das Thema so komplex ist, legen wir vom Malerteam Borsch allergrößten Wert auf eine ehrliche und transparente Kundenberatung vorab.
Haben Sie Fragen zu Rissen in Ihrem Haus im Raum Bonn oder planen Sie ein neues Projekt? Sprechen Sie uns einfach an, wir beraten Sie ehrlich und fachgerecht!
Herzliche Grüße
Marieluise Borsch
Malerbetrieb Borsch, Ihr Malerbetrieb für exklusive Wandgestaltungen im Raum Alfter, Bonn, Bornheim und dem Rhin-Sieg-Kreis
Quellen: Jürgen Gänßmantel*
Beratender Ingenieur, ö.b.u.v. Sachverständiger, Dormettingen, Deutschland und Bundesverband der Gipsindustrie e.V. Industriegruppe Gipsplattenns anzusprechen.
